17.
Aug 10

SPD-Stadtverbandsvorsitzender Andreas Dumke im Gespräch mit Würselener Anzeiger

 

Andreas Dumke

Andreas Dumke

Würselen.Nachdem der Würselener SPD Stadtverband einen neunen Vorstand gewählt hatte, führte WAZ Mitarbeiter Markus Ross ein Interview mit dem neuen Stadtverbandsvorsitzenden Andreas Dumke.

 WAZ: Herr Dumke, ihre Parteifreunde wählten Sie jetzt zum Vorsitzenden des SPD-Stadtverbandes Würselen. Welches sind Ihre Beweggründe, dieses wichtige politische Amt zu übernehmen, gerade in der heutige Zeit, wo das ehrenamtliche Engagement in der Politik nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig ist?

Andreas Dumke: Sicherlich haben sie Recht – vergnügungssteuerpflichtig ist so ein Ehrenamt nicht, aber wenn man an dieser Arbeit keinen Gefallen findet, muss man die Finger davon lassen. Vor mehr als 25 Jahren habe ich mich dazu entschlossen, mich in meiner Freizeit oft mit Politik aktiv zu beschäftigen, weil mir immer schon das bloße Klagen über Missstände zu wenig war. Ich bin immer bestrebt nach Lösungen suchen und sie nach Möglichkeit auch zu finden. Das kann ich in der neuen Funktion noch mehr als bisher.

WAZ: Welche Politikfelder wollen Sie schwerpunktmäßig besetzen?

Andreas Dumke: Neben der alles überschattenden Beschäftigung mit der Haushaltslage gilt es trotzdem die Stadt zukunftsfähig zu machen. Das ist schwierig aber unbedingt erforderlich. Dazu gehört es vor allem die Entwicklungsmöglichkeiten zu nutzen, die uns die Zukunftsregion Aachen bietet und davon zu partizipieren. Würselen muss deshalb vor allem für junge Familien attraktiv sein. Neben der Bevorratung von ausreichendem bezahlbarem Wohnraum, gehören dazu auch infrastrukturelle Maßnahmen im Bereich der Kinderbetreuung und Schule sowie Weiterbildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten. Aber eine Stadt definiert sich nicht nur durch solche Angebote, sondern auch durch gesellschaftliches Miteinander. Themen wie „Demografischer Wandel“, „Stadt der Kinder“, oder Sport und Kultur stehen ebenfalls auf der Agenda.

WAZ: Sie sprachen ein wichtiges Thema, das Ihnen sehr am Herzen liegt, bereits an: die Jugend- und Bildungspolitik. Welche Akzente wollen die Würselener Sozialdemokraten auf diesem Gebiet setzen?

Andreas Dumke: Die Gesellschaft hat sich in den letzten Jahren vom klassischen Familienbild hin zu vielfältigen Formen des Zusammenlebens gewandelt. Die Zahl der berufstätigen Alleinerziehenden hat zugenommen, die Zahl der Familien, in der beide Elternteile berufstätig sind, ebenso und sie steigt weiter. Um den Anforderungen gerecht zu werden, müssen Betreuungsangebote für Unterdreijährige, müssen Kindergärten oder auch die offene Ganztagsschule ständig dem Bedarf angepasst werden. Darüber hinaus ist uns das längere gemeinschaftliche Lernen wichtig. Es ist die Möglichkeit die sozialen Ungerechtigkeiten in unserem Bildungssystem zu mildern. Auch der sich immer mehr ändernde Schulalltag hin zum Ganztagsunterricht stellt eine weitere Herausforderung dar. Hier sehe ich infrastrukturellen Bedarf, dies zu realisieren.

WAZ: Diese Ideen kosten alle viel Geld bei der Umsetzung – und das angesichts leerer Kassen. Außerdem besteht im Würselener Stadtrat eine Kooperation zwischen CDU, Grünen und FDP – keine einfachen Voraussetzungen für die SPD, ihre Ideen auch politisch umzusetzen. Gehen Sie auf die Mehrheitsfraktionen zu?

Andreas Dumke: Bei der gegenwärtigen Haushaltslage, sehe ich vor allem finanzielle Schwierigkeiten, die Ideen umzusetzen. Ohne massive Unterstützung von außen wird es der Stadt nicht möglich sein, diese Ziele befriedigend zu erreichen. Aber es ist auch wichtig, Ziele zu formulieren, um daraus die Motivation für das gegenwärtige Handeln zu schöpfen. Ich sehe bei der Kooperation aus CDU,FDP und Grünen vor allem große inhaltliche Übereinstimmungen mit den Grünen. Der jüngst geschlossene Koalitionsvertrag zwischen SPD und Grünen auf Landesebene, der nach meiner Einschätzung auch von den Grünen vor Ort unterstützt wird, ist gerade im bildungspolitischen Bereich Beleg dafür. Ich sehe aber auch, dass bei den letzten Haushaltsberatungen alle Parteien einen gemeinsamen Weg zum Sparen gefunden habe. Was in der gegenwärtigen Situation auch unbedingt erforderlich ist.

WAZ: Auf der Stadtverbandsversammlung betonten Sie die Fortsetzung des Bürgerdialogs. Außerdem sollten die Strukturen des Stadtverbandes auf den Prüfstand gestellt werden. Was meinen Sie damit konkret?

Andreas Dumke: Den Bürgerdialog haben wir vor mehr als zwei Jahren begonnen, während des Wahlkampfes verstärkt und nach der Kommunalwahl fortgeführt. Politik muss mehr das regelmäßige Gespräch zu bestimmten Themen mit dem Bürger suchen und sich über anstehende Entscheidungen mit ihnen austauschen, denn ohne diesen regelmäßigen Austausch schreitet eine Politik- und Parteienentfremdung weiter fort. Die Wahlbeteiligungen zu den einzelnen Wahlen sind hier ein erschreckendes Zeichen.

Alle Parteien leiden unter schwindenden Mitgliederzahlen und damit auch an Aktiven, die die Arbeit machen. Darum ist natürlich neben der ständigen Mitgliederwerbung die Überprüfung, wie die Arbeit einerseits effizienter organisiert werden kann, aber auch, wie Mitglieder, die sich bisher nicht so stark engagiert haben, mehr eingebunden werden können, überlebenswichtig.

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